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Les jeux sont faits

Mai 3, 2012

Am Wochenende ist bekanntlich der zweite, daher entscheidende Wahlgang für das Amt des französischen Staatspräsidenten. Im Rennen sind noch François Hollande, Kandidat der Sozialisten, und Président-candidat Nicolas Sarkozy, UMP. Als Ausländer in Frankreich wird man ständig mit den Wahlen konfrontiert, muss sich seinerseits auch, so wie ich vor einigen Wochen für das Radio, zwangsläufig damit auseinandersetzen. Daher nun eine kleine Einschätzung, wer am Wahltag das Rennen machen wird.
Das gestrige TV-Duell (dass ich mir, wie ich es in der Regel bei TV-Duellen sämtlicher Politiker mache, habe entgehen lassen) wird eher unterschiedlich bewertet. Bei lemonde.fr zitiert man z.B. Erhebungen, die im Anschluss an die Übertragung machte und filtert so heraus, dass Hollande überzeugender war, Sarkozy aber glaubwürdiger. Insgesamt werden viele, einzelne Adjektive geringen Aussagegehalts rumgeworfen, jede Seite beansprucht den Sieg für sich. Objektiv scheint Hollande für die Mehrheit der Medien einen leichten Sieg errungen zu haben. Dass er am Wochenende Nicolas Sarkozy ablösen wird, steht auch seit heute fest, allerdings aus anderen Gründen.
François Bayrou hat Sarkozy den Rest gegeben. Bayrou ist ehemaliger Minister, der Vorsitzende von MoDem, einer Nachfolgepartei der ehemaligen Regierungspartei UDF und seit einigen Jahren das Gesicht der Zentristen Frankreichs, die mit ihrer Orientierung hin zur politischen Mitte die Links-Rechts-Achse im Parteiensystem Frankreichs aufbrechen wollen. Bayrou, 2007 (18% im ersten Wahlgang) noch eher eine Gefahr für die Kandidaten der großen Parteien als 2012 (9% im ersten Wahlgang), hat angekündigt, seine Stimme François Hollande zu geben, will allerdings keine Wahlempfehlung an seine Wähler abgeben.
Hier zeigen sich viele interessante Aspekte. Erstens wird Bayrou, trotz seines Versuchs, das Links-Rechts-Schema umgehen zu wollen, immernoch eher der Rechten zugeordnet, deren Regierung er bereits in den Neunzigern angehörte. Zweitens besitzt er den Ruf, ein guter Stratege zu sein, der vor allem über Gespräche unter vier Augen mit hochrangigen Vertretern beider politischen Richtungen Abkommen schließen kann.
Sein Votum für Hollande mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass dies keine Empfehlung an seine Wähler sei, hat zwei Funktionen. Einerseits vermeidet er, seine Partei zu einem Anhängsel einer der beiden großen Parteien zu deklarieren. Andererseits wissen Bayrous Anhänger sehr wohl, dass ihre politische Symbolfigur ein weiteres Quinquennat Sarkozys ablehnt. Nachdem Marine Le Pen erwartungsgemäß ihre Unterstützung keinem der beiden Kandidaten der Stichwahl zusagte, dürfte die heutige Aussage Bayrous mehr als nur Symbolkraft haben. Eine Wiederwahl Sarkozys erscheint unter diesen Umständen und dem bisherigen Vorsprung Hollandes in den Umfragen als schwer vorstellbar.

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