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Importiert aus England

April 22, 2012

Nachdem ich ja schon mehrere Male beim Bordelaiser Fußball unterwegs war, müsste der Leser eigentlich von mir erwarten, dass ich gestern beim Ligue-1-Kracher der beiden Teams, die eine äußerst mittelmäßige Saison spielen, war: Girondins de Bordeaux gegen Olympique Marseille. War ich aber nicht. Zum einen machte ich mir aufgrund der heißen Nachfrage für das Match keine Hoffnungen, zum anderen hatte ich in der Zwischenzeit dann bereits mit einigen Freunden entschieden, mal zum Rugby zu gehen.

Seit dem Aufstieg in die Top 14 Frankreichs sind die Spiele von Union Bordeaux Bègles, einer recht jungen Fusion zweier Traditionsvereine, mitunter besser besucht und schneller ausverkauft, als die von Girondins. Die Rugbymanie der Region hat ihre Gründe. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit, in der die Region, die heute mehr oder weniger Aquitanien umfasst, englisch war. Rugby gilt im Südwesten Frankreichs als Nationalsport, wenn auch mitunter mit sehr eigener Mentalität, die nicht unbedingt allen Leuten gefällt.

Das Stade André Moga, um Welten kleiner als der ehemalige Parc Lescure (Stade Chaban-Delmas), hat den Charme eines deutschen Regionalliga- oder Oberligastadions, das zwischen alten Tribünen Platz für eine VIP-Loge mit eigenem Restaurant und Weinbar am Ende des Platzes findet. Wir stehen ganz vorne am Platz, zwischen Leuten in Regenjacken, die später noch bitter benötigt werden. Das Spiel beginnt, wir sehen Ausschnitte des Platzes, mal sehen wir nichts, reißen einfach zusammen mit den anderen die Arme hoch. Das genaue Regelwerk des Rugbys kennen wir nicht wirklich, allerdings haben wir uns schon ein mehr oder weniger großes Grundwissen durch das Fernsehen angeeignet.

UBB gegen Agen, das ist auch ein Südwestderby. UBB ist als Aufsteiger im unteren Tabellenbereich gegen den Abstieg am Kämpfen, Agen dagegen im Mittelfeld. Auf dem Platz sieht man davon nichts, da UBB das Geschehen bestimmt, das Rubgyei weit in die gegnerische Hälfte bringt. Zur Pause steht es bereits 19 zu null für die Hausherren. Der Regen ist bereits durch unsere Jacken gedrungen, im Stadion sind Fahnen Regenschirmen gewichen.

Am Ende gewinnt Bordeaux solide 29 zu 15. Die Menschen verlassen das Stadion nicht so schnell wie bei Girondins de Bordeaux, was einerseits am Ergebnis liegen mag, aber vielleicht doch auch ein Teil der Mentalität beim Rugby ist, das Geleistete mehr zu honorieren. Im Endeffekt ist die Frage allerdings blöd, wenn man bedenkt, dass das Publikum an sich nicht weniger mit dem Schiedsrichter oder den Spielern hadert, als bei der Variante mit dem Runden Ball und zwei Toren mit Netz. Empfehlenswert bleibt der Ausflug zum Rugby in Frankreich dennoch – zumindest wenn man nicht gerade englisches Wetter hat.

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