Skip to content

Das öffentliche Trinken

April 1, 2012

ImageSeit einigen Wochen (be-)herrscht ein eher unangenehmes Thema die Gazetten und Diskurse rund um Bordeaux: Trinkgelage an öffentlichen Plätzen. Der Hintergrund ist das Verschwinden zweier Studenten innerhalb eines kurzen Zeitraums, die beide an besagten Abenden mit ihren Freunden trinkend durch Bordeaux zogen. Einer der beiden wurde nun ertrunken in der Nähe von Bordeaux aus der Garonne gezogen. So weit, so traurig.

Ein neues Phänomen ist das wohl allerdings nicht, wenn man etwas in den Archiven der Nachrichtenblätter liest. Sobald die Temperaturen ansteigen, verschwinden sehr oft junge Männer in der Stadt, meist nachdem sie abends mit Freunden weggingen. Oft werden sie Wochen später tot vom Fluss angespült, manchmal werden sie überhaupt nicht mehr gesehen. Kommentare in öffentlichen Foren vermuten dahinter teilweise organisierte Verbrecherbanden (eine interessante, aber nicht ganz überzeugende Theorie. Allerdings wurde bei einem der Studenten vor seinem Verschwinden eine nicht unerhebliche Summe von seinem Konto abgehoben), andere geben hingegen dem Alkohol die Schuld. Die Stadt hat nun reagiert und setzt auf stärkere Polizeipräsenz an der Uferpromenade, sowie den neuen Erlass, der den Alkoholkonsum am Miroir d’Eau mit einem Bußgeld von 120 Euro belegt. Bei Bassins à Flot, wo zwei Diskotheken auf Booten untergebracht sind, wird auch über Schutzbarrieren nachgedacht, um die Jugendlichen davor zu schützen, ins Wasser zu fallen.

Die Frage ist nur, ob das so überhaupt sinnvoll ist. Dass der Stadt nächtliche Trinkgelage am Weltkulturerbe auch ohne mehrere Ertrunkene Jugendliche ein Dorn im Auge ist, darf man erwarten. Insofern macht der städtische Erlass Sinn. Die Folge dürfte sein, dass für eine kurze Zeit der Alkoholkonsum am Miroir d’Eau zurückgeht und sich die Jugendliche andere Stellen an den Quais für nächtliche Unternehmungen ausgucken. Irgendwann legt sich die Aufregung wieder, das Ordnungsamt macht weniger Kontrollen und alles ist wieder beim Alten. Irgendwann wird wieder jemand, auch welchen Gründen auch immer, betrunken in den Fluss fallen. Dafür muss er nicht einmal am Flussufer seinen Apéro zu sich genommen haben.

Das Problem, dem man sich annehmen könnte (und sollte) ist das gegenseitige Aufpassen untereinander. Wenn Leute betrunken sind, müssen vor allem die Freunde und Bekannte, mit denen man den ganzen Abend unterwegs war, dafür sorgen, dass niemand zu schaden kommt. Betrunkene Freunde nach Hause zu begleiten oder ins Taxi zu setzen bedeutet zwar vielleicht Aufwand, ist aber ein Dienst unter Freunden, den man sich zum eigenen Schutz erweisen sollte.

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: