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Conf‘

September 21, 2011

Conf‘, so heißen die Conférences de méthodes in aller Kürze. Das ist französische Entsprechung des deutschen Seminars – auch wenn es einige gravierende Unterschiede gibt.

Die erste Conf‘ des Tages hatte die „Études politiques“ zum Thema. Unter dem relativ weit gefassten Begriff darf man sich ein Seminar um 8 Uhr morgens vorstellen, in dem eine Reihe übermüdeter Erasmus-Studenten (am Abend zuvor war das große Kennenlernen mit den „Parrains“ und „Marraines“, was für manche Leute doch die 2-Uhr-Grenze überschritt) sitzt und auf die Dozentin wartet. Etwas verspätet kommt sie herein und stellt uns das Gesamtpaket des kommenden Jahres vor: Hausarbeiten, Presseschauen, mündliche Präsentationen. Und, und, und, alles nach der französischen Art und Weise, in der Themen problematisiert und erörtert werden: Erst kommt das „oui“, dann das „mais“. Zur politischen Aktualität, zur Dezentralisierung Frankreichs und, und, und. Die erste Hausaufgabe: Bedeutende Ereignisse wie das „Edikt von Nantes“ kurz erklären und auf den symbolischen Wert für die französische Bevölkerung hin untersuchen.

Endlich mit Kaffee und Perrier (man muss ja schließlich auf den Wasserhaushalt achten) in den Händen geht es in die zweite Conf‘: Culture générale. Dieses Konstrukt ist selbst für viele französische Studenten ein Rätsel ob seiner Berechtigung als Universitätsfach. Vielfach kommentieren die Einheimischen diese Form des Unterrichts als „le blabla français“.
Natürlich stimmt das nicht wirklich, aber ein Funken Wahrheit steckt in dieser abschätzigen Wortwahl. Es geht vor allem darum, dass man lernt, ein eloquenter und gebildeter Mensch zu werden, der zu jedem Thema etwas sagen kann, auch wenn er nicht unbedingt was zu sagen hat. So kann es vorkommen, dass Franzosen einfach nur die zwei Worte „Le dimanche.“ als Prüfungsthema vorgesetzt bekommen. Keine weiteren Informationen, vier Stunden Prüfungszeit.

Der Hintergrund ist, dass die Aufnahmeprüfungen an französischen Eliteschulen, etwa der ENA, die Persönlichkeit eines Kandidaten im Vordergrund steht. Kann ein Kandidat innerhalb kürzester Zeit zu jedem beliebigen Thema etwas Substanzielles beitragen? Sind seine Antworten geistreich oder eher langweilig?
Um diese Situation zu üben, beschäftigt man sich also in der Culture générale also nicht nur mit handfester Politik, sondern auch mal mit dem Sonntag, mit gesellschaftlichen Themen Frankreichs, Europas oder einfach mit Literatur. Im Laufe des Jahres wird jeder Student zwei Bücher, ein frankophones und eines aus dem jeweiligen Heimatland, vorstellen. Ob Roman, philosophisches Essay oder Sachbuch spielt keine Rolle.

Und nun, nach vielen, vielen Informationen über die Unzahl an Prüfungen, die im kommenden Jahr in den zwei Seminaren anstehen? In einer Viertelstunde folgt die dritte Conf‘: Français langue étrangère. Immerhin bin ich wieder wach.

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