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Studieren wie Erasmus in Frankreich

September 7, 2011

Die Einführungswoche an einer französischen Uni unterscheidet sich dann doch etwas vom deutschen Pendant. Es gibt zwar die üblichen Einführungsreden aller wichtigen Personen der Universität, aber schon da zeigen sich Unterschiede. Jeder will das letzte Wort haben. Hat die Studentenvereinigung etwas vergessen und spricht nach der Rede eines höherrangigen Entscheidungsträgers, muss dieser direkt danach das Gesagte wiederholen und hinzufügen, wie wertvoll die studentischen Aktivitäten sind. Und natürlich, Veranstaltungen außerhalb der Universität werden nicht einfach nur vorgestellt, sondern in aller Bandbreite erläutert und jeder einzelne Termin wird vorgelesen. In einem kleinen Hörsaal mit großer Anzahl von Menschen und hoher Temperatur.

Eine weitere Besonderheit liegt darin, dass gleich am ersten Tag das Verständnis der französischen Sprache der Auslandsstudenten abgefragt wird. Beginnend bei harmlosen Grundschulfranzösisch geht der Test bis hin zur Textanalyse von Filmkritiken aus „Le Monde“. Vom recht manifesten Glauben in die eigenen Sprachkenntnisse bis hin zur totalen Verunsicherung dauert es nur 90 Minuten und 80 Fragen.

Ein anderer Test ist hingegen nicht für alle Studenten vorgeschrieben: Das literarische Verständnis wird nur bei den Leuten geprüft, die das „Certificats d’Etudes Politiques à Titre étranger“ erhalten wollen. Für die teilnehmenden Deutschen war es wohl nicht ganz unglücklich gewählt, dass Stéphane Hessels „Indignez-vous!“ den Pflichttext für die dreistündige Prüfung darstellte. So unbekannt ist das Buch des gebürtigen Berliners in Deutschland nicht.

Das hört sich vielleicht so an, als würde der Erasmus-Student in Frankreich unter permanentem Druck stehen. So ist es aber doch nicht. Die Einführungswoche hat ihre Besonderheiten, ihre langen Reden, ihre Tests, aber auch die guten Seiten: Interessante Vorträge über Afrika, Stadtrundgänge, Picknicks, das abendliche Weggehen und vieles mehr. Und vieles läuft tatsächlich weniger kompliziert als erwartet, so z.B. die Eröffnung eines Kontos, wenn man die Partnerbank der Universität wählt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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